Das Absintheverbot
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- Veröffentlicht am Mittwoch, 03. August 2011 15:45
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Das Ende des Absinthes war bei den bestehenden massiven gesellschaftlichen Probleme abzusehen und nur eine Frage der Zeit. Entscheidender Ausschlaggeber war in der Schweiz dann ein gewisser Jean Lanfray, der im August 1905 im Suff seine Familie umbrachte. Lanfray war erwiesenermaßen starker Alkoholiker, der mehrere Liter Wein am Tag konsumierte und als Weinbergarbeiter im Waatland in der Ortschaft Commugny mit seiner Frau und 2 Töchtern lebte. Eines Tages kam Lanfray nach Hause und regte sich furchtbar darüber auf, daß seine schwangere Frau nicht wie aufgetragen, seine Stiefel geputzt hatte. Kurzerhand griff er zur Flinte und erschoß seine Frau und seine beiden Töchter. Als er sich darüber bewußt wurde, was er getan hatte, versuchte er sich selbst zu erschießen – was im aber nicht gelang. Es konnte nachgewiesen werden, daß Lanfry an diesem Tag neben Unmengen anderer alkoholischer Getränke auch 2 Gäser Absinthe getrunken hatte. Dies war für die Blaukreuzer und die Antialkoholliga ein gefundenes Fressen. Um diesen Amoklauf herum wurde eine große Kampagne gegen Absinthe entwickelt. Bei einer Volksabstimmung am 5. Juli 1908 sprachen sich 63,5% der männlichen Schweizer für ein verfassungsmäßiges Absintheverbot aus. Diese Gesetzt trat 1910 in Kraft und verbot die Produktion, Lagerung, den Transport und Verkauf von Absinthe. Interessanterweise wurde der Konsum nicht unter Strafe gestellt… Im gleichen Jahr wurde in Belgien Absinthe verboten. In Frankreich wurde Absinthe 1914 verboten. Das ist insofern bemerkenswert, da man befürchtete, daß Absinthe die Französische Wehrkraft zersetze – einige Jahrzehnte zuvor wurde Absinthe gerade durch das französische Militär in Frankreich zu einem extrem beliebten Getränk… In Deutschland hatte Absinthe sehr wahrscheinlich keine große Bedeutung . Leider sind keine Aufzeichnungen darüber bekannt. So wurde Absinthe hier erst im Jahr 1923 verboten. In Portugal, Spanien und England war er nie verboten – aber auch nie populär.
Die Rolle des Alkohol
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Um zu verstehen, warum Absinthe Anfang des 20. Jahrhunderts so verteufelt wurde, muß man wissen, daß nicht nur die Ätherischen Öle Auslöser der Probleme waren, sondern auch der oftmals minderwertige Alkohol, der zur Absintheproduktion verwendet wurde.
Absinthe ist strenggenommen ja ein Kräuterschnaps. Anders als bei Obstschnaps ist in den Kräutern keine Stärke oder Zucker, die durch Einmaischung vergoren werden könnte. Daher ist man gezwungen, die Kräuter zu mazeriere - d.h. in hochporzentigem Alkohol ziehen zu lassen. Heute hat der verwendete Rohalkohol ca. 96% vol. und ist so rein, daß man ihn bedenkenlos pur trinken könnte. Selbstverständlich mit der entsprechenden alkoholischen Wirkung! Allerdings ohne, daß man spätere Gesundheitsschäden befürchten muß. Vor 100 - 150 Jahren konnte der Rohalkohol rein technisch nicht so hochrektifiziert werden. Man kann das auch deutlich in den Rezeptbüchern (z.B. von Brevans, Bedel, Duplais oder Fritsch) sehen. Dort wird immer von 85% Alkohol gesprochen. Einerseits war es bei dieser Stärke durchaus noch möglich, den Ursprung (also Getreide, Kartoffeln, Obst und Obstresten, Nüssen, oder Wein) herauszuschmecken, anderseits war dieser Alkohol auch nicht so sauber wie wir es heute kennen. Es ist ziemlich sicher, daß die Aromen der Ursrungsprodulte des verwendeten Rohalkohols ins Endprodukt übergegangen sind und Absinthe deswegen gerne mit Zucker getrunken wurde. Die Annahme, daß Weinalkohol automatisch der beste Rohalkohol ist, ist falsch. Untersuchungen haben ergeben, daß schlecht rektifizierter Wein 12 mal mehr Unreinheiten aufweist, als sauber rektifizierter Industriealkohol.
Die Gefahr des Absinthes lag also einerseits bei den Ätherischen Ölen und anderseits beim minderwertigen Alkohl. Dazu kam auch noch eine heute unvorstellbare Lagerung - oftmals in Bleifässern...
Absinthismus
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- Veröffentlicht am Mittwoch, 03. August 2011 15:44
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Die ersten wissenschaftlichen Beobachtungen von Alkoholkranken wurde in der psychatrischen Abteilung der Hospitäler in Paris 1859 gemacht. Dr. Motet veröffentlichte eine Studie zum Thema "Allgemeine Überlegungen zum Alkoholismus und speziell über die toxischen Effekte aud Menschen unter Einfluß von Absinthe". Er bemerkte, daß Absinthe andere Auswirkungen als normaler Alkohol hatte. So weisen Personen, die Absinthe exzessiv konsumieren zwar alle Anzeichen des Alkoholismus auf, haben darüberhinaus aber auch epileptische Anfälle. Einige Jahre später wurde diese These von Dr. Legrain bestätigt. Er sagte, daß neben Schwindel vom Alkohol, man auch Delirien und Krämpfe beobachten könne die auf Absinthe rückschließen ließen. Um dieses Phänomen zu benennen, erfand die Akademie der Medizin den Begriff "Absinthismus". Nach Dr. Lancereaux ist chronischer Absinthismus an den schwerwiegenden Nervenproblemen erkennbar. Es fängt mit Kribbeln und Taubheit der Beinen und Füße an. Zu einem fortgeschrittenem Zeitpunkt sind die Nerven derart überreizt, daß Berührungen unerträglich werden. Darauf folgt eine absolute Gefühllosigkeit. Schließlich treten Beeinträchtigungen allgemeiner Funktionen und Verwirrung der Nerven auf: Teilweiser Gedächtnisverlust, Halluzinationen, Sorgen und Reizbrkeit. Das Gesicht wird im sehr bleich - ganz im Gegensatz zu den roten Gesichtern der Weintrinker. Des Weiteren treten Krämpfe auf, die nur mit hysterischen Anfällen vergleichbar sind.
Giftige Essenzen
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Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Spirituosen in 2 Kategorien gegliedert:
- 1. Natürliche Liköre, die durch Destillation natürlicher, zuckerhaltiger oder fermentierter Flüssigkeiten entstehen.
- 2. Künstliche Liköre, die durch Destillation von Pflanzen oder durch Zugabe von Essenzen in Alkohol entstehen.
Die künstlichen Liköre wurden in 2 Untergruppen gegliedert, die sich mehr oder weniger auf die Schädlichekeit der Essenzen bei der Herstellung bezieht. Die von der Wissenschaft anvisierte Untergruppe war die der künstlichen Liköre, denn in dieser Gruppe befanden sich natürlich auch Absinthe und dessen Artverwante wie der Bitter oder der Vermouth.
Man unterschied zwischen absolut schädlichen und giftigen Essenzen:
- Großer Wermut
- Kleiner Wermut
- Genepi
- Ysop
- Sternanis
- Rauke
- Bittermandel
und weniger giftige Essenzen:
- Minze
- Salbei
- Melisse
- Thymian
- Oregano
- Fenchel
- Anis
- Koriander
- Kümmel
- Muskat
- Lorbeer
Diese Liste wurde von der medizinischen Akademie rein willkürlich so gewählt. Schließlich gab es dann nur noch eine Liste, die "Die Königin der Gifte ihrer Art" genannt wurde. Sie lehnte es ab, genauer zu differenzieren und scherte lieber alles über einen Kamm. 1903 wurde die giftigkeit von Wermutöl von der medizinischen Akademie Paris offiziell bestätigt. Die Idee basiert auf Untersuchungen von Dr. Valentin Magnan, der bereits 1868 angefangen hatte, die Auswirkungen von Absinthekonsum zu beobachten und zum Schluß kam, daß Absinthe andere Auswirkungen hat, als andere alkoholische Getränke.
Tierversuche
Bereits 1869 hatte Dr. Magnan eine Serie von Tierversuchen mit Wermutöl gemacht, denen er zum Vergleich Alkohol injezierte bzw. Wermutöl oral verabreichte. Sobald Magnan, dem Alkohol Wermutöl zusetzte, konnte er epileptische Anfälle und Krämpfe beobachten. Als Gegenversuch, versetzte er Alkohol mit Anisöl - und konnte keinerlei vergleichbare Auswirkungen feststellen.
Dr. Camus
Dr. Camus war wohl der einzige, der halbwegs realistische Versuche mit Hunden durchführte. Er verabreichte Hunden, auf ihr Körpergewicht bezogen ähnliche Mengen, die ein durchschnittlicher Mensch an einem Tag zu sich genommen hätte. Dabei stellte er fest, daß es ganz auf die körperliche und geistige Konsistenz des Probanden ankam, ob dieser Schaden nahm oder nicht. Seine Schlußfolgerung war, daß arme, schlecht ernährte Menschen, die möglicherweise auch noch andere Probleme hatten, wesentlich stärker vom Absinthismus betroffen waren, als wohlgenährte, gesunde Menschen.
Am 12.12.1907 wurde der maximale Wermutölgehalt in einem Liter Absinthe auf 1g festgelegt. Untersuchungen an einer Reihe von Absinthen aus Pontarlier vom 9.1.1908 ergab eine maximale Menge von 0,58g Wermutöl.
Trost im Absinthe
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- Veröffentlicht am Mittwoch, 03. August 2011 15:44
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Die Misere der Arbeiter war allgegenwärtig. Überall mussten Männer, Frauen und Kinder hart in den Fabriken arbeiten. Die Unterkünfte waren schmutzig und Abwechslung wurde nicht geboten. Einzig das Cabaret bot dem einfachen Mann etwas Abwechslung. Am Zahltag war es für viele zu verlockend, das Geld schnell wieder beim Weinhändler auszugeben, der Absinthe im Überfluß anbot. Die grüne Fee ließ die Arbeiter die Trübseeligkeit des Lebens vergessen. Unfähig ihre Situation zu ändern, glaubten viele, ihre Probleme in einem Glas ertränken zu können...

