Kräuter

Aus AbsintheWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche


Inhaltsverzeichnis

Wermut

Wermut
Wermut

Wermut oder Wermutkraut (Artemisia absinthium), auch Bitterer Beifuß oder Alsem, ist eine Pflanzenart in der Gattung Artemisia, in der Familie der Korbblütler (Asteraceae oder früher Compositae). Wermutkraut findet man in den trockenen Gegenden von Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien auf kargen und steinigen Böden. Die Pflanze blüht von Juli bis September und kann mehr als 1 m hoch werden.


Verwendung

Wermut wird zur Herstellung von Absinth und Weinaperitifs (Vermouth) verwendet. In der Vergangenheit nahm man an, dass exzessiver Absinth-Missbrauch zu Abhängigkeit führte, was auf das im Absinth enthaltene Nervengift Thujon, das in hohen Dosen oder über längere Zeit eingenommen zu irreversiblen Nerven- und Gehirnschädigungen führt, zurückgeführt wurde. In neuerer Zeit werden die entsprechenden Studien aus der Zeit um 1900 aber zunehmend angezweifelt und die Wirkung zum Teil einfach auf den sehr hohen Alkoholgehalt des Absinths, typischerweise 45% bis 74%, zurückgeführt. Außerdem waren in weit verbreiteten billigen Absinthen Chemikalien wie Methanol, Kupfersulfat und Zinksulfat enthalten, um das Aussehen aufzubessern. Sie könnten ebenso zu den Schädigungen geführt haben. Medizinisch wird Wermut unter anderem zur Anregung der Magenfunktion gebraucht. Wermut-Tee wird bei Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden, Erbrechen und Durchfall verwendet.

Der englische Name "wormwood" (wörtl. "Wurmholz") ist eine volksetymologische Umdeutung des altenglischen Namens "wermod" und deutet darauf hin, dass man dem Wermut anti-parasitäre Eigenschaften zuschreibt. Vgl. H. Marzell, "Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen", s.v. Artemisia Absinthium L.: "[...] die Pflanze [wurde] früher (wie noch jetzt die verwandte A. Cina) gegen Würmer (Eingeweidewürmer) verwendet [...]. Andere [Namens-]Formen wiederum sind an "warm" angelehnt wegen der "wärmenden" Eigenschafts des Wermutabsudes." Diese Eigenschaft macht es nicht verwunderlich, dass Wermut auch schon zu biblischen Zeiten weit bekannt war. Wermut gehört zu den bittersten unter den bekannten Kräutern. In symbolischer oder poetischer Sprache steht der Name oft auch für Bitterkeit und Trauer (Wermutstropfen). Dass dessen Bitterkeit bekannt war, lässt schließen, dass Wermutzubereitungen trotzdem ´genossen´ wurden und man sich irgendeine positive Wirkung davon versprach. Im Mittelalter bezeichnete Hildegard von Bingen Wermut als den Meister über alle Erschöpfungen.

Sprichwörtliche Verwendung

Der Ausdruck "Wermutstropfen" spielt auf die Bitterkeit des Wermuts an und beschreibt Dinge oder Erfahrungen, die eine Spur von Bitterkeit (als Synonym für Schmerz oder Unangenehmes) in an sich Schönes bringen, so wie auch ein Tropfen Wermut auch einem süßen Getränk eine Spur Bitternis verleiht.

Namensherkunft

westgermanisches Wort unbekannter Herkunft: *wermoda-; ahd. wer(i)muota, wer(i)muot, ae. wermod as. wermoda

lat.-griechisch: absinthium, Lehnwort zu persisch sipand.

Anis

Anis
Anis

Anis (Pimpinella anisum), ist eine Gewürz- und Heilpflanze in der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Der Name geht auf das griechische Wort ανηθον für Dill zurück, mit dem der Anis verwechselt wurde

Merkmale

Die Anispflanze ist einjährig und wird etwa 30 bis 50 cm hoch. Die Grundblätter sind herzförmig rundlich und am Rand eingeschnitten gesägt, die Stengelblätter sind dreizählig bis fiederteilig. Die kleinen weißen Blüten sind in hüllenlosen, meist zwölfstrahligen zusammengesetzten Dolden angeordnet und blühen von Juli bis September. Die Früchte, die im August/September geerntet werden können, sind 3 mm lang, eiförmig und mit grauen Härchen überzogen.

Anbau

Ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum beheimatet, wird Anis heute weltweit in Gebieten mit gemäßigtem Klima angebaut. Hauptanbaugebiet ist Südrussland. Während der Wachstumsperiode muss der Boden gleichmäßig feucht bleiben. In der Erntezeit wirken sich wechselnde trockene und feuchte Perioden negativ auf die Erntequalität aus. Die Dolden reifen nicht gleichzeitig, sondern nacheinander, und auch innerhalb einer Dolde reifen die Samen nur uneinheitlich. Anis wird im August/September geerntet, wenn die Stängel gelb werden. Früher wurde dabei das Kraut mit der Sense abgemäht und die Früchte ausgedroschen.

Im Mittelalter wurde die Pflanze auch nördlich der Alpen angebaut, obwohl hier das Wetter nicht verlässlich genug war, um die Früchte in jedem Sommer ausreifen zu lassen. Anbaugebiete waren zu dieser Zeit beispielsweise die Gegend um Erfurt, Langensalza, Mühlhausen und Magdeburg, wo es auch Anisölbrenner gab, die das ätherische Öl durch Destillation mit Wasserdampf gewannen.

Fenchel

Fenchel
Fenchel

Fenchel (Foeniculum vulgare), ist eine Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze in der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Anbau

Fenchel ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die bis zu 1,50 m hoch werden kann. Im 2. Jahr wird ein Blütenstand ausgebildet, dann ist sie nicht mehr als Gemüse zu gebrauchen. Sie benötigt einen warmen Standort mit nährstoffreichem Boden. Die grünen Blätter können fortlaufend geerntet werden. Für die Samen wird Fenchel in der Provence zum Michaelstag am 29. September geerntet, wenn der Samen den Höhepunkt seiner Reife erlangt hat.

Inhaltsstoffe

Fenchel enthält Ätherisches Öl (Frucht: trans-Anethol, Fenchon, α-Pinen, Camphen, Myrcen, α- und β-Phellandren, α-Terpinen, cis-Anethol, Limonen, Terpinolen, Estragol, p-Cymol; Kraut: α-Phellandren, α-Pinen, cis-Anethol, Myristicin, α-Terpinen, Limonen; Wurzel: Dillapiol, Myrcen, α- und β-Pinen, α- und β-Phellandren, α- und β-Terpinen, Myristicin, cis-Ocimen, Fenchon, Anethol), Kieselsäure, Mineralsalze, Stärke, Vitamin A, B und C. Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Pflanze (Blätter) pro 100 g Frischegewicht beträgt 247,3 mg.

Verwendung in der Küche

Weiterverarbeitet und genossen werden sowohl die Knollen (v.a. in Salaten, Gemüsegerichten und als Beilage zu gedünsteten Fischgerichten), andererseits die Samen, die mit dem Anis vergleichbar sind. Letztere werden manchmal als Gewürz in Schwarzbrot mitgebacken oder zu einem Tee aufgegossen, der beruhigend bei Magen- und Darmbeschwerden wirkt.

Fenchel gehört traditionsgemäß zu Fisch. Gegrillter Seebarsch und Rote Seebarbe werden auf getrocknetem Fenchel flambiert. Er wird Saucen und Hackfleisch beigemischt. Fein gehackte Fenchelblätter nimmt man in geringer Menge zum Würzen von Suppen, Salaten, Mayonnaisen und für die "Sauce vinaigrette". Auch in der indischen Küche sind Fenchelsamen sehr beliebt und verbreitet.

Fenchel findet darüberhinaus auch in einigen Spirituosen Verwendung. Häufig dient er dabei zur geschmacklichen Abrundung eines Getränkes, das als einen der Hauptbestandteile Anis (oder Sternanis) enthält, z.B. Absinth oder Pastis.

Der Fenchel hat keine "Knolle", die als Salat oder Gemüse verwendet wird, sondern botanisch eine Speicherzwiebel mit Speicherblättern!

Fenchel Arten

Es gibt verschiedene Fenchelsorten, die sich in der Blatt- und Zwiebelgröße und im Geschmack unterscheiden. Als besonders edel gilt der florentinische Fenchel, dessen Zwiebel besonders gut ausgebildet ist und im Gescmack an Anis erinnert. Daneben gibt es wilden, römischen, runden Fenchel und süßen Fenchel.

Fenchel als Heilmittel

Fenchel wirkt aufgrund der ätherischen Öle Schleim lösend, entkrampfend und harntreibend. Vergleicht man die antiseptisch Wirkung des Fenchelöl mit Phenol, so ist Fenchelöl 13-mal stärker. Fencheltee mit Honig ist ein altbewährtes mildes Hustenmittel. Bei Kopfschmerzen und Migräne soll ein mit starkem Fencheltee angefeuchtetes Tuch helfen, das auf die Stirn gelegt wird. Ungesüßter Fencheltee ist außerdem ein altbewährtes Hausmittel gegen "Bauchweh" bei Säuglingen und Kleinkindern. Umschläge mit Fenchelwasser wirken bei Entzündungszuständen am äußeren Auge angenehm lindernd.

Fenchel im Aberglauben

Wer am 24. Juni, dem Tag des Heiligen Johannes, Fenchelsträuße an Tür und Fenster aufhängt, der verhindert das Eindringen böser Geister. Wer Neuvermählten Fenchelsamen auf dem Weg streut, sorgt für ihr Glück; wer Fenchelsamen in die Schlüssellöcher spukender Häuser legt, treibt so die bösen Mächte aus und wer schließlich Wein mit Fenchelsamen trinkt, bringt Schwung in sein Liebesleben. Wahrsager sollen mit Fenchelsamen verzauberte Personen heilen.



Sternanis

Sternanis
Sternanis

Sternanis (Illicium verum), ist ein in China und Vietnam vorkommender frostempfindlicher, immergrüner Baum oder Strauch, der eine Höhe bis zu 18 m und eine Breite von 7 bis 12 m erreichen kann. Sternanis hat ledrige, dunkelgrüne Blätter.

Aus den weißen Blüten mit ihren zahlreichen Blütenblättern, die im Frühjahr und Sommer erscheinen, entwickeln sich die auffälligen sternförmigen Früchte. Sie werden häufig als Gewürz oder auch als Ersatz für das teurere Anis-Öl verwendet.

Sternanis enthält viele Aromastoffe, vor allem Anethol, sowie andere Stoffe wie Shikimisäure. Aus letzterem kann Oseltamivir, Wirkstoff des Influenza-Mittels Tamiflu, gewonnen werden.

Der nahe verwandte und im Geruch und Aussehen ähnliche Japanische Sternanis, Illicium anisatum, wird in Japan traditionell als Räucherwerk verbrannt, er ist aber nicht als Gewürz geeignet, da er giftig ist und Leber, Nieren und Blase dauerhaft schädigen kann. Teilweise ist es durch ungewollte Vermischungen von Echtem mit Japanischem Sternanis zu Vergiftungen gekommen.

Verwendung in der Küche

Sternanis spielt eine große Rolle in der Küche Chinas, wo er seit rund 4000 Jahren verwendet wird. In vielen chinesischen Fleischgerichten ist Sternanis unentbehrlich.

Nach Europa kam Sternanis durch den Seefahrer Sir Thomas Cavendish, der die Früchte 1588 von den Philippinen nach London brachte. Bevor die chinesische Küche auch in Europa populär wurde, spielte Sternanis nur eine Rolle als Ersatz für Anis-Öl. Bedeutung erlangte er jedoch auch als Gewürz zu Pflaumenkompott, Pflaumenmus und in der Weihnachtsbäckerei (z.B. Lebkuchen). Heute hat Sternanis neue Bedeutung erlangt als Ausgangsbasis für ein Grippe- Medikament. Wegen Verknappung der pflanzlichen Ausgangsbasis auf dem Weltmarkt setzt der Hersteller für die Zukunft auf die Produktion auf der Basis gentechnischer Verfahren.



Koriander

Koriander
Koriander

Koriander (Coriandrum sativum), ist auch unter einer Vielzahl weiterer Namen wie Arabische Petersilie, Chinesische Petersilie, Gartenkoriander, Gebauter Koriander, Gewürzkoriander, Indische Petersilie, Kaliander, Klanner, Schwindelkorn, Schwindelkraut, Stinkdill, Wandläusekraut, Wanzendill, Wanzenkraut oder Wanzenkümmel bekannt. Im Deutschen wird insbesondere das Korianderkraut auch mit dem aus dem Spanischen stammenden Namen Cilantro bezeichnet.

Koriander ist ein einjähriges Kraut aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Der Name leitet sich ab vom griechischen coris = Wanze und vom griechischen amon = Anis. Die Blätter riechen etwas nach Wanzen, die Beeren nach Anis. Vom Koriander werden sowohl die Früchte als auch die Blätter als Gewürz verwendet (siehe auch: Gewürzpflanzen). Die Früchte und Blätter enthalten unterschiedliche Aromen und können einander daher nicht ersetzen.

Inhaltsstoffe

Koriander enthält Ätherisches Öl (Frucht: Linalool, Geraniol, α- und β-Pinen, Limonen, Geranylacetat, α- und γ-Terpinen, Borneol; Kraut und Wurzel: Decanal, Tridecen-(2)-al), fettes Öl (Petroselinsäure, Ölsäure, Linolensäure, Palmitinsäure), Proteine, Stärke, Zucker, Pentosane, Gerbstoff, Vitamin C, Spuren organischer Säuren, Flavonoide, Furanoiso (z.B. Coriandrin), Cumarine: Umbelliferon, Scopoletin, Coriandrindiol.

Ätherisches Korianderöl

Das ätherische Öl wird mittels Wasserdampf-Destillation aus den Samen gewonnen. Seine Inhaltsstoffe sind 70 % Monoterpenole, 10 % Monoterpene, Ketone, Ester und Kumarine.

Durch seinen warmen, aromatischen und würzigen Duft wird er auch in der Parfumindustrie verwendet. Er dient hauptsächlich zum Abrunden und Harmonisieren der einzelnen Bestandteile.

Verwendung in der Küche

Während in Europa der Samen die größere Rolle spielt, wird in der südamerikanischen und asiatischen Küche vor allem das Kraut verwendet. Das Kraut gilt wegen des scharfbitteren Geschmacks als etwas gewöhnungsbedürftig. Blätter von älteren Pflanzen eignen sich gut für Salate, die zu Käsegerichten gereicht werden.

Die Samen sollten eventuell kurz angeröstet und nach Möglichkeit immer frisch gemahlen werden; sonst überwiegen die schwerflüchtigen Bitterstoffe des Korianders schnell die leichtflüchtigen Aromastoffe, und die Speisen werden bitter statt aromatisch. Gemahlene Samen werden zum Würzen von Brotteig, Kleingebäck, Kohlgerichten, Hülsenfrüchten und Kürbis verwendet. Koriander ist Bestandteil von Gewürzmischungen wie Chilipulver, Currypulver, Currypaste und Lebkuchengewürz und wird auch zur Likörherstellung verwendet. Neben salzigen Speisen wie Fleisch, Wurst, Soße und Gemüse kann der Koriander auch zu Kompott, Marinaden und Weihnachtsgebäck verwendet werden. Koriander wird sehr oft mit Kreuzkümmel kombiniert.

Auch eine Biersorte, die Gose, wird mit Koriander versetzt.

Verwendung in der Heilkunst

Koriander findet seit den Ägyptern auch Verwendung in der Pflanzenheilkunde. Die ätherischen Öle wirken appetitanregend, verdauungsfördernd, krampflösend und lindernd bei Magen- und Darmleiden. Dementsprechend ist Koriander in vielen Medikamenten gegen Magen- und Darmstörungen enthalten. Gegen Migräne soll ein Sud aus den Samen gleichfalls helfen.

Seit einigen Jahren wird auch die Wirksamkeit bei der Ausleitung von Schwermetallen, insbesondere Quecksilber (Amalgam), aus dem menschlichen Körper beschrieben. Frischblattkoriander oder eine Essenz daraus soll Schwermetalle aus den Zellen lösen können, das gilt auch für Nerven- und Gehirnzellen. Mit Hilfe geeigneter Mittel wie der Mikroalge Chlorella oder Bärlauch können diese dann, hauptsächlich über den Darm, aus dem Körper ausgeschieden werden.



Angelika

Angelika
Angelika

Angelika, oder auch Engelwurz (Angelica archangelica), auch Erz-Engelwurz, Brustwurz, ist eine Pflanzenart der Familie der Doldenblütler Botanik Merkmale

Die schnellwachsende, zweijährige Pflanze wird bis zu 2 m hoch und hat tief eingeschnittene, hellgrüne Blätter. Im Spätsommer bringt sie Dolden mit kleinen, hellgrünen Blüten hervor. Die Art wächst sowohl im Schatten wie auch in der Sonne. Sie sollte jedoch vor Wind geschützt werden. Der Echten Engelwurz ähnlich ist die bei uns häufigere Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris).

Inhaltsstoffe

Ätherisches Öl (vorwiegend Terpene), Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harz, Furocumarin, organische Säuren. Die Berührung mit dem Kraut kann zu chemischen Brandwunden führen ? ab Mai enthält die Pflanze die phototoxisch wirkenden ätherischen Öle. Es sind die Furocumarine, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen und zu Dermatitis führen können.

Verwandte Arten (Auswahl)

-Sumpf-Engelwurz (Angelica palustris) -Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) -Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Engelwurz ist eine Pflanze der nördlichen Zonen. In Mittelmeerraum gibt es keine Engelwurz, daher schreiben antike Autoren auch nicht über sie. Die ältesten Schriftzeugnisse über Kultur und Verwendung stammen aus Skandinavien, Island und Grönland. Auf skandinavischen Märkten war sie seit dem 10. Jahrhundert erhältlich. Es waren die Wikinger im 10. Jahrhundert, die die Engelwurz in Mitteleuropa einführten. Dort kam die Engelwurz als Kulturpflanze zunächst in den Klostergärten im späten Mittelalter auf. Seit dem 15. Jahrhundert erfreute sie sich in Europa großer Beliebtheit und wurde als das wichtigste aller Heilkräuter eingestuft. Die Benediktiner und später die Kartäuser nahmen sich der Engelwurz besonders an. Während den Pestepedemien kauten Ärzte auf der Wurzel der Engelwurz, um sich vor Ansteckung zu schützen. Noch 1771 gab der französische Autor Buchoz seinen Lesern den Rat, bei Pestepidemien seine Kleidung mit einem Pulver aus Engelwurz zu bestreuen.

In der Volksmedizin wurde Engelwurz als Gegenmittel gegen Tollkirschenvergiftung eingesetzt. Sie sollte aber auch bei Alkoholvergiftung wirken.

"Wann einer von einem wütenden Hundt gebissen worden were/ der nemme Engelwurtzkraut und Wurtzel unnd thue darzu Rauthen. Zerstoss diese Stück wol unnd mach mit Honig ein Pflaster darauss/ streichs auff ein Tuch unnd legs über den Schaden/ das zeucht alles Gifft heraus." (Tabernaemontanus, New Kreuterbuch, 1588)

Engelwurz gilt nach wie vor als Universalheilmittel, das antibakteriell wirkt und auch gegen Schimmelpilze hilft. Arzneilich am wirksamsten sind die Wurzeln (Rad. angelicae). Der Tee hilft bei Magen-Darm-Problemen, Rheuma und Bronchitis und wird wie folgt zubereitet. Einen gehäuften Teelöffel fein geschnittener Droge mit kochendem Wasser überbrühen und bedeckt 10 min ziehen lassen. Bei Appetitmangel mit Honig gesüßt vor den Mahlzeiten eine Tasse warm trinken, bei Blähungen etc. ungesüsst. Die Wurzel regt außerdem die Lebertätigkeit an. Ihre Wirkung bei Blägungen hat ihr in einigen Gegenden auch den spöttischen Namen ?Engelpfurz? zugeführt.

Angelikawurzel ist ein wichtiger Bestandteil von Magenlikören (z. B. Benediktiner, Boonekamp und Chartreuselikör). Weitere Produkte in denen Angelikawurzel enthalten ist sind Klosterfrau Melissengeist und Doppel Herz.

Verwendung in der Küche

Alle Bestandteile sind hocharomatisch und haben nervenstärkende Wirkung. Deshalb wird die Wurzel wohl auch in vielen Kräuterbittern verwendet. Die Sprossen eignen sich auch für Salate. Engelwurz wird häufig kandiert und wie Orangeat oder Zitronat als Backzutat verwendet -- und dabei auch gerne gefälscht, denn "Angelika" ist teuer. Fälschungen sind allerdings leicht erkennbar. Hat sich der Teig grünlich verfärbt, dann war Ersatz im Spiel; Angelika färbt nämlich nicht ab. Stängel und Wurzel können roh verzehrt werden und in Norwegen, in Island und auf den Faröerinseln wird Engelwurz heute noch als Gemüse verzehrt. Engelwurzpulver soll man sogar zum Würzen verwenden können.

Carl von Linnee berichtet in seiner Lappländischen Reise darüber, dass die Lappen dem Konsum des Engelwurz große Bedeutung für ihre Gesundheit beimessen.

Verwendung als Genußmittel und Duftpflanze

Die Engelwurz wird als Fixativ in Potpourris verwendet; Engelwurzöl gehört zu den Bestandteilen, die dem Cointreau-Likör seinen Duft verleihen. Die Likörfabrik in Bockau im Erzgebirge stellt als einzige in Deutschland einen reinen Angelika-Likör her. Engelwurz war auch Bestandteil des Eau de Carmes (Karmelitergeist), welches die Nonnen der Abtei St. Juste für Karl V. von Frankreich herstellten. Karmelitergeist war ein alkoholischer Extrakt aus verschiedenen Pflanzen wie Melisse, Muskatnuss, Zimt, Zitrone und anderen - oft bitteren - Bestandteilen. Das Produkt fand innerlich und äußerlich Anwendung als Hausmittel.

Engelwurz in der Symbolik

Engelwurz ist eine alte Symbolpflanze für die Dreifaltigkeit Gottes und für den Hl. Geist, da der Stängel zwischen zwei einander umschließenden Häuten emporwächst. Sie taucht daher schon früh in der christlichen Kunst auf.


Melisse

Melisse
Melisse

Melisse (Melissa officinalis), ist eine aus Südeuropa stammende Staude aus der Familie der Lippenblütler. Im Deutschen ist auch die Bezeichnung Herztrost für die Melisse verbreitet. Namensherkunft und Standortanforderungen

Die Bezeichnung Melisse ist aus dem Griechischen abgeleitet und bedeutet "Biene". Nach Plinius liebt die Biene diese Pflanze mehr als alle anderen. Die Melisse wird deshalb seit langem als Bienenfutterpflanze angebaut und Imker reiben mit der Melisse den Bienenstock ein, damit das Volk nicht ausschwärmt.

Die Melisse wird bis zu 80 cm groß und benötigt gut durchlässigen, feuchten Boden in der Sonne oder an absonnigen Standorten. Die Blätter sind eiförmig und kreuzgegenständig angeordnet. Die Blüten entfalten sich in den Blattachseln. Während oder nach der Blüte wird die Pflanze zurückgeschnitten, um frischen Laubaustrieb zu fördern.

Inhaltsstoffe

Melisse enthält ätherisches Öl (Hauptbestandteile Citral und Citronellal), Gerbstoffe, Bitterstoffe, Harz. Der Vitamin C-Gehalt der frischen Pflanze pro 100 Gramm Frischgewicht beträgt 253,0 Milligramm.

Zitronenmelisse Verwendung in der Küche

Die bittersüßen, frisch nach Zitrone schmeckenden Blätter eignen sich als Gewürz oder Tee und werden dafür am Besten kurz vor der Blüte geerntet. Für Tee werden die frischen Blätter einfach mit heißem Wasser übergossen. Da die feinen Blatthärchen, die sich dabei gelegentlich lösen, mitunter als störend empfunden werden, empfiehlt es sich, den Tee zu filtern.

Als Gewürz ist das Aroma der Zitronenmelisse besonders dann intensiv, wenn die Blätter im Mörser zerrieben werden.

Melisse als Duftpflanze

Die getrockneten Blätter der Melisse eignen sich für Potpourris und Duftkissen und strömen einen zarten Zitronenduft aus, der durch das ätherische Öl verursacht wird, das sich in kleinen Drüsen auf der Blattoberfläche befindet.

Zitronenmelisse in der Pflanzenheilkunde

Zitronenmelisse wird seit mehr als 2.000 Jahren in der Heilkunde hochgeschätzt. Plinius (23 ?79 n. Chr.) bezeichnet Melisse in seiner Naturalis historica als Mittel gegen Hysterie und Paracelsus (1493-1541) nennt Melisse ?das beste Kräutlein für das Herz?. Arabische Ärzte haben sie bei Angstzuständen, nervös bedingten Kopfschmerzen und Herzproblemen eingesetzt. Die Araber waren es auch, die im 10. Jahrhundert die Melisse nach Spanien brachten. Von dort fand die Melisse Einzug in die Klostergärten. Hildegard von Bingen (1098-1179) soll geschrieben haben, eine Tasse Melissentee vor dem Schlafengehen getrunken bringe gute Träume.

Wissenschaftlich anerkannt ist die heilende Wirkung von Melisse bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen. Besonders empfehlenswert ist eine Anwendung zusammen mit Hopfen und Baldrian. Medizinisch anerkannt ist auch die Wirksamkeit von Melissenextrakt in Form einer Creme gegen Lippenherpes. Frühzeitig angewendet, lassen die lästigen Beschwerden rasch nach, die weitere Infektion von gesunden Zellen mit Herpes-Viren wird unterbrochen, und vorhandene Herpesbläschen heilen meist rasch ab.

Melisse im Aberglauben

Melissenblätter aufs Herz gebunden, heilen von Liebeskummer. Zitronenmelisse ist das Kraut der Wissenschaftler, das den Studenten gegeben wurde, um ihren Verstand und ihre Erinnerungsvermögen zu schärfen. Bauersfrauen fütterten die Kühe mit Zitronenmelisse, damit sie mehr Milch gaben.

Ätherisches Melissenöl

Das ätherische Melissenöl wird leider oft verfälscht oder gestreckt angeboten. Denn zur Herstellung eines Liters werden 5 - 8 Tonnen Melissenpflanzen benötigt. Auch muss das Melissenöl mittels transportabler Destillen gleich nach der Ernte noch auf dem Feld destilliert werden. Aus diesem Grund ergibt sich auch ein hoher Preis von ca. 20 EUR für 1 ml naturbelassenes ätherisches Öl.

Die preisgünstige Melissenvariante im Handel nennt sich oft Melisse indicum, aber dahinter verbirgt sich nur Cymbopogon winterianus - das javanische Citronellaöl. Dieses darf auf gar keinen Fall mit den Wirkweisen der echten Melisse verwechselt werden, da es komplett andere Inhaltsstoffe und Wirkweisen auf Körper, Geist und Seele hat. Bei Verschneidungen beider ätherischer Öle sollte der Prozentsatz der Melisse angegeben sein und es müssen sich in diesem Fall auch beide botanische Namen auf dem Etikett befinden.

Ätherisches Melissenöl hat starke antivirale, entzündungshemmende, schlaffördernde und beruhigende Eigenschaften.

Ysop

Ysop
Ysop

Ysop (Hyssopus officinalis), auch Josefskraut oder Eisop genannt, ist ein Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Seine Blätter und Blüten werden zu Würz- und Heilzwecken genutzt. Die Pflanze gedeiht besonders in sonnigen Lagen auf kalkhaltigen Böden und kann im Garten problemlos kultiviert werden. Aufgrund seines leicht bitteren Geschmacks wird Ysop als Zutat für Liköre (beispielsweise Chartreuse) genutzt. Ysop verleiht dem Honig eine äußerst angenehme Geschmacksnote. Aus diesem Grund wird er häufig in der Nähe von Bienenstöcken angepflanzt.

Inhaltsstoffe

Die Pflanze enthält Ätherisches Öl (unter anderem Pinocamphon, Pinen und Chemphen), Glykoside, Gerbstoffe, Cholin und die Flavonglykoside Diosmin und Hesperidin. Der Vitamin C-Gehalt der frischen Pflanze in mg pro 100 g Frischegewicht beträgt 208 mg.

Ysop in der Küche

Das Aroma von Ysop ist leicht bitter, hat einen Hauch von Minze, erinnert aber auch an Rosmarin, Salbei oder Gartenraute. Das aus der Pflanze gewonnene Öl Oleum Hyssopi wird in der Likörfabrikation verwendet. Als Gewürz passt Ysop zu Eintöpfen, Suppen, Fisch- und Fleischgerichten. Frisches Ysopkraut veredelt Kartoffelsalat und andere Salate, wird aber auch in manchen Gegenden zum Würzen von Hülsenfrucht- und Fleischgerichten, Omelettes verwendet und wird sogar über Pfirsich- und Aprikosenkuchen gestreut.

Ysop in der Pflanzenheilkunde

Im alten Testament heißt es: "Reinige mich mit Ysop und ich werde rein sein". Etwa im 9. Jahrhundert soll Ysop von Mönchen nach Deutschland gebracht worden sein. Bei den Heilkundigen des Mittelalters erfreute sich Ysop großer Beliebtheit: als Kompresse zur Stärkung müder Augen, als Würze zur Anregung der Verdauung, als Tee zur Hustenlinderung. Die aromatische Pflanze wurde von den Bäuerinnen ins Gebetbuch gelegt, damit man sich mit ihrem Duft während des Gottesdienstes frisch halten konnte. Allerdings war Ysop zur Zeit des Alten Testamentes unbekannt, wahrscheinlich war Majoran gemeint.

Ysop wird auch bei Erkrankungen der Luftröhre eingesetzt: Schon Hippokrates empfahl zur Linderung einer Mandelentzündung den Rauch eines Ofens einzuatmen, in dem neben Schwefel und Erdpech Ysop verbrannt wurde. Als leicht harntreibendes Mittel hilft es jedoch auch gegen Rheumatismus, gegen Wassersucht und gegen Nierensteine. Für den wohlschmeckenden Tee wird ein Teelöffel getrockneter Ysop pro Tasse gerechnet. Bei Heuschnupfen oder heuschnupfenähnlichen Symptomen, die auf eine Fell- oder Hausstauballergie zurückzuführen sind, soll sich ein Tee bewährt haben, der zu gleichen Teilen aus Ysop, Sonnenhut (Echinacea), Holunderblüten und Augentrost besteht. Davon trinkt man täglich drei frisch aufgebrühte Tassen (ein Teelöffel der Mischung pro Tasse). Wesentlich für den Heilerfolg ist die regelmäßige Anwendung. Ysop in Essig gekocht war früher auch ein viel verwendetes Betäubungsmittel. Man gab es, um Schmerzen zu lindern. In abgelegenen Bergdörfern ist es heute noch manchmal üblich, bei Zahnschmerzen den Mund mit Ysopessig zu spülen. Bei den persischen Ärzten galt Ysopwasser als ein Mittel, das der Haut eine zarte Tönung verleiht.

Persönliche Werkzeuge